Im Forschungsprojekt wird eine Bestandesaufnahme der Sammlungen von Werken, die Patientinnen und Patienten 1850 – 1930 in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz geschaffen haben, erstellt. Zudem wird die Geschichte dieser Bestände in einem Kompendium dokumentiert. In der Schweiz wurden zwischen 1850 und 1900 über vierzig private oder öffentliche psychiatrische Anstalten eröffnet, in welchen manchmal erstaunliche künstlerische Werke entstanden. Um 1920 stiess das Gebiet auf grosses Interesse und viele Psychiater legten Sammlungen an. Trotz der Aufmerksamkeit, die diese Werke immer wieder, zum Beispiel in der „Art Brut“ erfuhren, besteht kein Überblick darüber, in welchen Kliniken Werke aus der Zeit vor 1930 erhalten geblieben sind.
Als komplexe ästhetische Vorhaben in einer schwierigen und gesellschaftlich isolierten Situation entstanden, werfen sie eine Fülle von Fragen zu ihrer Verortung in Kunst und Gesellschaft um 1900 auf. Die Bestandesaufnahme dient als Grundlage für die weitere Forschung und trägt dazu bei, die gefährdeten Werke zu sichern.
Ziel des Forschungsprojektes ist es daher, Werke von Patientinnen und Patienten aus den frühen psychiatrischen Anstalten in der Schweiz als ein besonderes schweizerisches Kulturgut zu sichern und der Öffentlichkeit (unter Berücksichtigung des Datenschutzes) zugänglich zu machen.
Im Vorgängerprojekt (Mai 2006 bis Mai 2008) wurden rund 1800 Werke aus der Sammlung Morgenthaler, der Sammlung Rheinau und der Sammlung Königsfelden erfasst.
In einer zweiten Etappe erstellen wir in Zusammenarbeit mit weiteren Kliniken und Archiven eine Bestandesaufnahme der vorhandenen Sammlungen und Depots in der Schweiz.
Die Werke sind oft aus ungewohnten, behelfsmässigen Materialien hergestellt und nur spärlich mit schriftlichen Quellen zu belegen. So richtet sich das Projekt interdisziplinär aus, weil die Werke in einem sehr besonderen und v.a. auch besonders reglementierten Kontext entstanden sind. Sie sind als Mitteilungen aus erster Hand zu sehen und sehr besondere Beiträge zur Kultur. Sie werden daher aus historischer, psychiatriegeschichtlicher und kunstwissenschaftlicher Sicht gesichtet und erschlossen.
Eine Tagung im Kunstmuseum Bern 2011 bietet einer interdisziplinären Diskussion zu Kunst und Psychiatrie in einem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis eine Plattform.
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